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Die acht Jahrhunderte alte Kathedrale von Lausanne ist weit mehr als ein Meisterwerk gotischer Architektur. Ihre Skulpturen und bunten Glasfenster zeugen von den kulturellen und architektonischen Entwicklungen, die die Stadt geprägt haben, und schlagen eine faszinierende Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart.
Geschichte und Architektur
Die Bauarbeiten dieses legendären Bauwerks begannen in der Zeit um 1170 unter dem Bischof Landry de Durnes und dauerten etwa 70 Jahre. Drei Jahrzehnte später, im Jahr 1275, wurde es in Anwesenheit von Papst Gregor X. und Kaiser Rudolf I. von Habsburg zur Kathedrale geweiht, was seine spirituelle und politische Bedeutung in der Region bekräftigte.
Das Jahr 1536 war ein bedeutender Wendepunkt in der Geschichte der Kathedrale, als Berner Truppen ins Waadtland einmarschierten und die Reformation durchsetzten. In der Folge wurde die Kathedrale zu einem protestantischen Gotteshaus, was mit bedeutenden baulichen und symbolischen Veränderungen einherging. Im Einklang mit den reformierten Grundsätzen der Schlichtheit verschwanden Reliquien, Altäre, Statuen und einige Wandmalereien, die bemalten Portalfiguren wurden übermalt.


Infolge der im Laufe der Jahrhunderte erlittenen Schäden wurde die Kathedrale im 19. Jahrhundert umfassend renoviert, um dem Gebäude seinen gotischen Glanz zurückzugeben. Die Bauarbeiten starteten 1873 unter dem französischen Architekten Eugène Viollet-le-Duc, der für die Restaurierung von Bauwerken aus dem Mittelalter, darunter Notre-Dame de Paris, berühmt war. Ganz nach seiner Vorstellung der „idealen Kathedrale“ stellte er die ursprünglichen gotischen Formen wieder her und fügte gleichzeitig neue, von seinem eigenen Stil inspirierte Elemente hinzu. Auf ihn geht auch die 80 Meter hohe Spitze der Kathedrale zurück.
Besuch der Kathedrale
Schon der erste Anblick der majestätischen Silhouette der zuoberst auf dem Hügel der Cité thronenden Kathedrale mit ihren beiden Türmen ist beeindruckend. Der Glockenturm nimmt bis heute seine einzigartige Rolle wahr: Jede Nacht von 10 Uhr abends bis 2 Uhr früh ruft der Turmwächter der Kathedrale die Uhrzeit aus und setzt damit eine Tradition fort, die bis ins Jahr 1405 zurückreicht. Das Wächterteam bleibt der Tradition treu, geht aber auch mit der modernen Zeit. So nahm es im Jahr 2021 die erste Frau auf und schlug damit ein neues Kapitel in seiner langen Geschichte auf.




Der heutige Haupteingang ist das Montfalcon-Portal auf der Westseite. Sein Aussehen ist das Ergebnis der zwischen 1892 und 1909 vom Bildhauer Raphaël Lugeon durchgeführten Rekonstruktionsarbeiten. Das mit feinen Skulpturen eingefasste neugotische Portal ist eine Hommage an den mittelalterlichen Baustil und spiegelt gleichzeitig die künstlerische Sensibilität des späten 19. Jahrhunderts wider.
Beim Betreten der Kathedrale überraschen die Grösse des Innenraums und das Licht, das ihn durchflutet.


Die mittelalterlichen Glasfenster nehmen einen zentralen Platz im Innern ein, insbesondere die berühmte Rose im südlichen Querschiff. Diese in den Jahren 1220 bis 1230 entstandene Fensterrose beeindruckender Grösse (8 Meter Durchmesser) stellt den kosmologischen Bilderkreis des Mittelalters dar und wird dem aus Frankreich stammenden Glasmaler Pierre d’Arras zugeschrieben.
Ebenso sehenswert ist das Portal mit den bemalten Figuren, das bis ins Jahr 1536 als Haupteingang diente. Es geht auf das 13. Jahrhundert zurück und zeichnet sich durch bemalte Skulpturen aus, die nach der Reformation von 1536 leider grau übermalt wurden. Erst im 20. Jahrhundert wurde dieses aussergewöhnliche Portal restauriert und durch Glasscheiben vor der Witterung geschützt.
Das Erklimmen des Turms über die 224 Stufen lohnt sich auf jeden Fall. Die Aussenplattform bietet einen atemberaubenden Rundumblick, der bei klarer Sicht im Süden über den Genfersee bis zu den Savoyer Alpen, im Osten über die Waadtländer Voralpen und im Westen über die Jurakette reicht. Der Blick von der Kathedrale aus ist für alle Stadtbesucher und -besucherinnen schlicht ein Muss, um Lausanne aus einem neuen Blickwinkel zu sehen.
Die grosse Orgel
Die grosse Orgel der Lausanner Kathedrale ist aufgrund ihres innovativen Designs und ihrer unvergleichlichen Klangqualität einzigartig. Das Instrument wurde unter der Leitung von Jean-Christophe Geiser, dem Titularorganisten der Kathedrale, entwickelt und im Jahr 2003 eingeweiht. Sie ist ein Gemeinschaftswerk des Orgelbauers Fisk und des Designers Giorgetto Giugiaro und trägt als erste Orgel der Welt die Handschrift eines Designers. Mit ihren beeindruckenden Abmessungen ist sie das grösste Musikinstrument der Schweiz, wiegt 40 Tonnen, zählt über 7000 Pfeifen, verfügt über zwei Spieltische und ist die erste Orgel, die die vier wichtigsten Stile des Orgelbaus vereint: französische Klassik und Symphonik sowie deutscher Barock und deutsche Romantik.


Dank zweier Spieltische kann der Organist sowohl auf dem Balkon als auch beim Publikum im Kirchenschiff spielen. Um das Musikerlebnis noch intensiver zu gestalten, wurden 2022 umkehrbare Sitzbänke im Kirchenschiff installiert. Diese vom Laber IBOIS der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) entwickelten und aus einheimischem Holz hergestellten Bänke lassen sich bei Gottesdiensten auf den Altar und bei Konzerten auf die Orgel ausrichten, um einen fesselnden Blick auf das Instrument und den Orgelspieler zu bieten.
Orgelkonzerte in der Lausanner Kathedrale sind denn auch sehr beliebt, denn der unmittelbare Blick auf die Orgel gibt zudem Einblicke in die Funktionsweise des Instruments. Es lässt sich beobachten, wie die Registerzüge den Klang verändern, oder wie der Schwelltritt die Jalousien öffnet, schliesst und die Tonstärke reguliert.


Festlichkeiten und Veranstaltungen rund um das 750-jährige Jubiläum
Zur gebührenden 750-Jahr-Feier der Kathedrale wird 2025 ein vielseitiges Programm mit Ausstellungen, speziellen Führungen und Konzerten angeboten. Das vollständige Programm ist auf ihrer Website.


Mehr als nur eine Sehenswürdigkeit
Die Lausanner Kathedrale ist weit mehr als ein historisches Denkmal. Sie bleibt ein lebendiger Ort im Herzen der Stadt und lässt ihr Erbe mit Gottesdiensten, der jahrhundertealten Turmwächter-Tradition und kulturellen Veranstaltungen wie dem Lichtfestival Lausanne Lumières weiterleben.